Fertilität nach Chemo-und Strahlentherapie im Kindes-und Jugendalter, FeCt

Seit mehreren Jahren beschäftigen sich  Frau PD Dr. med. Borgmann-Staudt und ihre Mitarbeiterinnen mit den Auswirkung der Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit einer Chemo-und/oder Strahlentherapie auf die Fertilität (Fortpflanzungsfähigkeit) nach Ende der Behandlung. Hier können Sie mehr über die Ergebnisse der Studien erfahren:

FeCt, Berliner Umfrage 2006

Ziel dieser Berliner Umfrage war die Erfassung von Kinderwunsch und dessen Erfüllung nach Chemo- /Strahlentherapie bei ehemaligen Berliner kinderonkologischen Patienten.
Ergebnisse dieser Studie sind in der Patientenzeitschrift „WIR", sowie in der Fachzeitschrift „Klinische Pädiatrie" veröffentlicht worden:

Zum Artikel undefined"Eigene Kinder nach Krebserkrankung"

bzw. zum Artikel in der Zeitschrift Öffnet externen Link im aktuellen FensterKlinische Pädiatrie

FeCt, Bundesweite Umfrage 2008

Nach der Berliner Umfrage 2006 führten wir 2008/2009 eine bundesweite Umfrage zum Thema „Fertilität nach Chemo- und Strahlentherapie im Kindes- und Jugendalter, FeCt" durch. Die Fertilitätsdaten wurden anschließend mit Angaben zur Grunderkrankung und individuellen Therapie korreliert, um fertilitätsschädigende Medikamente, Dosierungen und Bestrahlungstherapien in der Kinderonkologie zu identifizieren.
4689 ehemalige Patienten aus ganz Deutschland, die zum Umfragezeitpunkt volljährig waren, erhielten unseren Fragebogen durch das Deutsche Kinderkrebsregister. 61% der Angeschriebenen (n = 2754, 1461 Frauen, 1293 Männer) nahmen teil. Das Durchschnittsalter war 25 Jahre. 41% der Teilnehmer gaben an, über das Risiko einer Infertilität aufgeklärt worden zu sein. 90% aller Teilnehmer gaben an, sich Kinder zu wünschen. Gründe gegen eigene Kinder waren unter anderen ‚Angst, das Kind bekommt auch Krebs’ (6%) und ‚Angst vor erneutem Ausbruch der Krankheit´(2%). Eine vorübergehende Amenorrhoe (Ausbleiben der Regelblutung) nach Chemo- und/oder Strahlentherapie gaben 112 von 1061 Teilnehmerinnen an (11%). 38 der 1061 Teilnehmerinnen gaben eine permanente Amenorrhoe an (4%). 470 der 2722 Teilnehmerinnen/ Partnerinnen von Teilnehmern (17%) waren bereits schwanger. Die Fehlgeburtenrate lag bei 13%, die Abbruchrate bei 7%. 619 Kinder wurden geboren, davon 72 frühgeboren.
118 männliche Teilnehmer ließen eine Fruchtbarkeitsuntersuchung durchführen. Bei 25% dieser Teilnehmer wurde eine Infertilität diagnostiziert. 31% der 83 weiblichen Teilnehmerinnen, die bereits eine Fruchtbarkeitsuntersuchung durchführen ließen, gaben Ergebnisse an, die auf eine Unfruchtbarkeit hinwiesen.
Signifikante Risikofaktoren für eine Fruchtbarkeitsstörung waren post-pubertäres Alter bei Therapiebeginn, sowie eine Beckenbestrahlung.
Der verbreitete Kinderwunsch der ehemaligen Patienten entsprach dem der altersentsprechenden Gesamtbevölkerung. Die Anzahl der Schwangerschaften war im Vergleich zur altersentsprechenden Allgemeinbevölkerung signifikant verringert. Die Schwangerschaftsabbruchrate der Survivors war signifikant geringer als in der altersentsprechenden Allgemeinbevölkerung. Einen Zeitschriftenartikel zum Thema finden Sie Öffnet externen Link im aktuellen Fensterhier.
Die Rate an Fehlbildungen, Durchschnittsgewicht und Kopfumfang entsprachen der Allgemeinbevölkerung, die Anzahl der Frühgeborenen war leicht erhöht.
Wir halten eine umfassende Aufklärung über das Risiko einer Infertilität für erforderlich, damit gegebenenfalls prophylaktische Maßnahmen ergriffen werden können. Einen Artikel zum Thema Patientenaufklärung über ein mögliches Infertilitätsrisiko finden Sie Öffnet externen Link im aktuellen Fensterhier.

 

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FeCt, Berliner Hormon-und Spermienanalyse 2009

Mit dem Ziel der Validierung der bisherigen Umfrageergebnisse führten wir eine Berliner Studie „FeCt, Hormonanalysen und Spermiogramme" durch, bei der Hormon- und Spermienanalysen ehemaliger kinderonkologischer Patienten untersucht wurden.
Angeschrieben wurden 748 ehemalige Berliner kinderonkologische Patienten, die zum Umfragezeitpunkt volljährig waren. Die Serumproben der Teilnehmer wurden in der Frauenklinik der Universitätsklinik Erlangen analysiert. Neben den Standardparametern der Fertilitätsdiagnostik (FSH, LH, Östrogen, Testosteron, Progesteron, Prolatkin, SHBG, DHS) wurden neuere Marker wie Inhibin B bei männlichen und Anti-Müller-Hormon (AMH) bei weiblichen Teilnehmern bestimmt. Die Spermienanalysen wurden in der Klinik für Dermatologie der Charité durchgeführt.
Wir erhielten 159 Blutproben von 86 Frauen und 73 Männern. 42 der männlichen Teilnehmer nahmen an der Spermienanalyse teil. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer war 25 Jahre. Bei 14 der 86 Teilnehmerinnen (16%) wurden AMH Werte <0,1 ng/ml bestimmt. Die Follikelreserve scheint bei diesen Teilnehmerinnen sehr deutlich eingeschränkt und das Risiko einer Infertilität somit erhöht. 21 Teilnehmerinnen (24%) hatten AMH Werte zwischen 0,1 und 1,0 ng/ml mit dem Verdacht auf ein drohendes Ovarialversagen bei eingeschränkter Follikelreserve.
Bei 23 der 73 männlichen Teilnehmern (32%) wurden Inhibin B Werte < 80 pg/ml in Kombination mit FSH Werten > 10 IU/l gefunden, was für eine Infertilität sprechen kann. Von den 42 Spermiogrammbefunden zeigten 13 eine Azoospermie (31%).
4% der Teilnehmerinnen der Bundesweiten Umfrage gaben eine permanente Amenorrhoe an. Stellt man den 16% Teilnehmerinnen der Hormonanalyse mit Verdacht auf Infertilität gegenüber, muss davon ausgegangen werden, dass einige Teilnehmerinnen lediglich durch Kontrazeptivaeinnahme eine Regelblutung erleben.
Nach erfolgter Therapie und bestehendem Kinderwunsch empfehlen wir eine Hormon- und ggf. Spermienanalyse. Eine frühzeitige Analyse kann eine erfolgreichere Familienplanung ermöglichen. Adressen von spezialisierten Fertilitäts-Zentren in Deutschland können sie unter anderem auf Öffnet externen Link im aktuellen Fensterwww.fertiprotekt.de finden.
Einen Zeitschriftenartikel zum Thema finden Sie Öffnet externen Link im aktuellen Fensterhier.

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FeCt, Fertilität nach allogener hämatopoetischer Stammzelltransplantation 2009

Für diese Studie wurden in 7 europäischen Zentren in Deutschland, Österreich und der Tschechischen Republik Daten zur Fertilität allogen transplantierter Patienten erfasst. Die Häufigkeit von und die Risikofaktoren für eine Fruchtbarkeitsschädigung wurden für 138 Frauen und 206 Männer, die zwischen 2000 und 2005 transplantiert wurden, ermittelt:
Bei 83% der Frauen und 69% der Männer zeigte sich in der Untersuchung eine Fruchtbarkeitsschädigung. Signifikante Risikofaktoren waren für Frauen ein Alter von ≥13 Jahren bei Therapiebeginn, sowie eine Behandlung mit Busulfan. Bei Männern hingegen waren ein präpubertäres Alter bei Therapiebeginn und eine Ganzkörperbestrahlung mit einem erhöhten Risiko für Fruchtbarkeitsschäden verbunden.
Einen Zeitschriftenartikel zum Thema finden Sie  hier:Öffnet externen Link im aktuellen Fensterhttp://www.nature.com/bmt/journal/vaop/ncurrent/full/bmt201178a.html

FeCt, Nachkommenstudie 2010

Aus den bisherigen FeCt-Studien ging hervor, dass einige ehemalige Patienten befürchten, ihr Kind könne auch Krebs bekommen. Bisherige Studien aus den USA und aus Skandinavien zeigten kein erhöhtes Risiko für das Auftreten maligner Erkrankungen bei Nachkommen ehemaliger kinderonkologischer Patienten. Unsere Nachkommenstudie soll nun einen umfassenden Gesundheitszustand der Nachkommen von ehemaligen kinderonkologischen Patienten im deutschsprachigen und europäischen Raum mit Hilfe eines Fragebogens und ergänzendem Interview erfassen.
Vorbereitend führen wir seit 2010 ein Pilotprojekt in Berlin, in Kooperation mit der Studie zur „Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland, KiGGS“ des Robert Koch-Instituts, durch.
Ziel der Nachkommenstudie ist es, folgende Studienfragen zu beantworten: 

1. Sind die Nachkommen kinderonkologischer Patienten genauso gesund wie andere Kinder?
Hierzu werden Fragen zu Krankheiten und Wohlbefinden der Kinder gestellt.
2. Wie besorgt sind ehemalige kinderonkologische Patienten um ihre Kinder? 
Dies soll durch Fragen zu Gesundheitsverhalten und Inanspruchnahme medizinischer Leistungen der Eltern für Ihre Kinder erfasst werden.
3. Wie gesund wachsen Kinder ehemaliger kinderonkologischer Patienten auf? 
Hierzu dienen Fragen zu Gesundheitsverhalten und Lebensbedingungen der Kinder.
Untersucht werden soll darüber hinaus die Assoziation des Gesundheitsstatus der Nachkommen mit den, im Rahmen der FeCt-Studie zum Teil bereits erfassten, Daten zu Erkrankung und Therapie des ehemals erkrankten Elternteils.

 

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FeCt, Longitudinalstudie 2011

In unseren vorangegangenen Studien wurde ermittelt, in welchem Umfang ehemalige kinderonkologische Patienten von Fruchtbarkeitsschäden betroffen sind und welche Risikofaktoren hierfür bestehen. Ziel der FeCt - Longitudinalstudie ist es nun zu untersuchen, in welchem zeitlichen Abstand zur Therapie Fruchtbarkeitsschäden auftreten, sowie ob und inwieweit sich ehemalige Patienten von einer Schädigung der Fruchtbarkeit wieder erholen können. In einer Berliner Pilotstudie hierzu sollen retrospektiv Verläufe von Fertilitätsparametern ehemaliger kinderonkologischer Patienten mit einer Hirntumorerkrankung oder mit allogener Stammzelltransplantation über 10 Jahre dargestellt werden. Im Anschluss soll diese Untersuchung in eine multizentrische, internationale Studie ausgeweitet werden.

Kooperation und Förderung

Der Patientenkontakt der FeCt-Studien erfolgt in Kooperation mit dem Deutschen Kinderkrebsregister, die Erfassung der Behandlungsdaten in Kooperation mit den Therapieoptimierungsstudien, sowie die Dokumentation und statistische Auswertung in Kooperation mit dem Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie der Charité, Universitätsmedizin Berlin.
Die Nachkommenstudien erfolgen in Kooperation mit dem Robert Koch-Institut.
Die FeCt-Studien werden seit 2006 bis 2011 durch die undefinedKind-Philipp-Stiftung für Leukämieforschung, die Universitäre Forschungsförderung der Charité-Universitätsmedizin Berlin, sowie seit 2008 bis 2010 durch die undefinedDeutsche Kinderkrebsstiftung gefördert, sowie 2010-2011 durch die Öffnet externen Link im aktuellen FensterBerliner Krebshilfe und seit 2011 durch die Öffnet externen Link im aktuellen FensterJosé Carreras Leukämiestiftung  gefördert.

 

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Kontakt

PD Dr. med. Anja Borgmann-Staudt

PD Dr. med. Anja Borgmann-Staudt
Fachärztin für Kinder-und Jugendmedizin m. S. Onkologie und Hämatologie
t: +49 30 450 666 204

Mitarbeiterinnen

Simone Reinmuth

Simone Reinmuth

Rosa Rendtorff

Magdalena Balcerek

Constanze Pfitzer

Anne Zynda